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Bad Sassendorf

Weslarn
und die zweitälteste Hallenkirche
Die deutsche Sprache und ein leeres Grab · Das Haus an der Ahse
Aufbau und Höfe

„Das Kirchdorf Weslarn liegt im Amt Borgeln“ berichtete 1952 der Soester Anzeiger. Älteste Form des Namens ist Weslere: ein ritterliches Geschlecht dieses Namens erscheint in Soester Urkunden des 13./14. Jahrhunderts. Die Gemeinde Weslarn war die erste der Börde, die sich der Reformation anschloß: Schon 1529 verlangten die Bauern die deutsche Sprache im Gottesdienst!
    6 Kilometer nordöstlich Soest, mundartl. Wesslern (vesl'rn), Weßlaron 890; Weslere 1255; Weslere gehört zu den uralten Namen auf -lar, die auf Gewässer Bezug nehmen; zu Weslarn gehören die Siedlungen Sieningsen und der Einzelhof Haus Ahse.
    Die Weslarner Kirche ist dem heiligen Urbanus geweiht und unterstand dem Patronat des Propstes von St. Patrokli (Soest). Die Kirche zu Ostinghausen war bis zur Reformationszeit Filiale von Weslarn. Als Bestandteil der Freigrafschaft Heppen kam Weslarn 1369 an die Stadt Soest.
    Zur St.-Urbanus-Kirchengemeinde Weslarn gehören Sieningsen und das seit 1756 einen Rittersitz bildende Gut Ahse, außerdem Brockhausen mit Gütern gleichen Namens und Hüttinghausen; ferner eine ausgedehnte Diaspora, über Ostinghausen und Hovestadt hinaus bis ins Münsterland.



    Die bau- und kunstgeschichtlich wichtige St.-Urbanus-Kirche gehört zwei verschiedenen Baustilen an. Der Turm hat die übliche schwermassige Gestalt der Bördekirchtürme. Chor und Turm dürften noch dem 12. Jh. zuzurechnen sein. Die Entstehungszeit des Hallenlanghauses paßt gut in die Hälfte des 13. Jh.: Bei den Restaurierungsarbeiten 1956 bis 1958 zeigte sich, daß unter der Übermalung die Originalsubstanz des 13. Jh. noch zur Hälfte erhalten war. Über den Pfeilerkämpfern sieht man figürliche Szenen, darunter der Kampf eines Engels und zweier Teufelsbestien um eine „mondäne Schöne“, wohl eher der Kampf um eine Menschenseele. In der Nordapsis eine Marienkrönung. Altaraufsatz aus dem 17. Jh., Kanzel um 1600; romanischer Taufstein. Bei Restaurierungsarbeiten machte man 1974 umfangreiche Entdeckungen in der romanischen Sakristei: Malereien und ein leeres Grab. Die Sakristei ist mit einer Apsis ausgestattet. Das entdeckte Grab wurde niemals benutzt. Möglich, daß der Bauherr bei einem Kreuzzug umgekommen ist.

  Wohnbevölkerung:
  1939   nicht bekannt
  1946   nicht bekannt
  1961   630
  1970   602
  1981   670
  1986   669

Weslarn war Kirchdorf im Amt Borgeln-Schwefe. Der Ort wurde im 12. Jahrhundert zuerst erwähnt und bei vielen kriegerischen Auseinandersetzungen arg mitgenommen. Der historische Katasterplan belegt die Grundstruktur des Ortes bezogen auf die Bebauung und auf das Straßensystem. Auch das für Weslarn typische Wegenetz war schon vorhanden.
    Der alte Ortskern ist in seinen geschichtlich geprägten Umgriffen annähernd unverändert. Die lockeren Baustrukturen westlich und östlich der Rosenau sind auch heute noch vorhanden, die prächtige Kirche liegt am östlichen Ortsrand und wird von vereinzelt stehenden Gebäuden umgeben. Weslarn hat sich in östlicher und nördlicher Richtung durch neuere Bautätigkeiten erweitert.
    Erhaltenswerte Bausubstanz findet man verteilt im gesamten Ortsbereich. Eingetragene Baudenkmale: Bauernhofanlagen Mühlenweg 11, 13; ev. Pfarrkirche, Kirchkamp 1; Fachwerkhaus Kirchkamp 3; Bettinghauser Weg 3; Backspeicher Kirchkamp 8 und Gräftenring Haus Ahse.
    Weslarn wird westöstlich von der ausgebauten, geradlinigen Landstraße 746 durchquert. Hohe Geschwindigkeiten der vorbeiflitzenden Fahrzeuge bringen erhebliche Fußgängergefährdungen.
    Auch die Gemarkung Weslarn weist mit einer Bodenklimazahl von 70 gute Voraussetzungen für die Landwirtschaft auf. In den letzten zwanzig Jahren verzeichnete Weslarn einen überdurchschnittlichen Strukturwandel: es gab viele Betriebsschließungen. 1988 gab es in Weslarn fünf mehr oder weniger leerstehende, ehemalige landwirtschaftliche Anwesen. Unter langfristigen Erwägungen sind Möglichkeiten und Grenzen einer Ausweitung der Erholungsaktivitäten im südlichen Bereich der Gemarkung aufzuzeigen. Kirche, Friedhof, Schützenhalle und Kindergarten sind vorhanden. Es gab Gastwirtschaften, es gibt Gewerbebetriebe.
    Es besteht die Gefahr, daß der Ort in verschiedenen Richtungen ausufert und die historische Struktur vermindert wird. Die Rosenau ist teilweise nicht in einem naturnahen Zustand. Die Rosenau ist im Ortsverlauf nur teilweise mit Gehölzen bestanden, südlich der Mühle ist der Bach gestaut. Der Friedhof ist zwar ortstypisch mit einer Laubgehölzhecke eingefaßt, doch stören die umfangreichen Nadelholzpflanzungen. Eichen, Buchen, Linden, Kastanien finden sich im Ort.
    Die vorhandenen Obstwiesen sind zum Teil schon sehr ausgedünnt. Früher oft zu sehen und heute kaum mehr verbreitet sind Obstbaum-Alleen an Straßen wie an der Straße Weslarn-Bettinghausen. Hingewiesen werden muß hier auf das vom Amt für Agrarordnung Soest durchgeführte Flurbereinigungsverfahren Rosenaue, in dem auch ein breiter Uferstreifen dauerhaft geschützt, die Altarme der Rosenau wiederhergestellt und gewässerbegleitende Tümpel angelegt werden konnten. In Weslarn noch oft zu finden und besonders schützenswert sind Altholzüberhälter (einzelne alte Bäume) auf den Weiden, meist Eichen.



    Zu Weslarn gehört die kleine ehemalige Bauernschaft Sieningsen. Auch dort befindet sich in Teilen erhaltenswerte Bausubstanz. Zur Namensdeutung: Sieningsen, Suinisen, Sydenhusen 1322, Sydinckhausen 1498, Weslarner Kirchenakten; auch sidde, hat nichts mit dem Wort Niederung zu tun, sondern ist side = Wasser/Moder; an der Weichselquelle saßen die Sidones; vgl. auch die Flurnamen der Umgebung. Der südliche, Richtung Soest, gelegene Einzelhof Schwanebrügge in der Deutung: Schwanebrügge, an d'r Schwanebrügge, sualenbrucgen (1068 SUB I), bei der Schwanenbrüggen 1685, alter Einzelhof an der Brücke über den Schleddebach; frühe Umdeutung aus ursprünglich Schwalbenbrücke, vgl. anord. swala „Schwalbe“, westf. swale, so bisherige Deutungen; genauer und wohl richtiger ist die Erklärung aus swal = Sumpf, Sumpfwasserbrücke!!! Alte Flurnamen aus vorgerm. Zeit, die zum Teil 3000 bis 4000 Jahre alt sein können.



Die zur Gemeinde Bad Sassendorf gehörenden Dörfer - Ortsteile - habe ich im prägnanten Kurzportrait vorgestellt. Die weitaus umfangreichere Geschichte der Dörfer, des Kurortes, der Gemeinde, der Kirchen, Schulen, Vereine, Höfe, des Salz- und Kurbetriebes usw., ist zu finden in meinem reich illustrierten, druckreifen Buch SASSENDORF - „Vom Sassendorp zum Kurbad“.
Dieser Arbeit fehlen allerdings noch Förderer für die Veröffentlichung!
                                                                                                         © 2/11-2003-Ernst H. Wulfert


Tips:

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