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Bad Sassendorf

Neuengeseke

Kirchdorf und Landgemeinde · Die Herren von Geisken
Die Kirche und ihre Kunstschätze · Schul- und Hofesgeschichte

Wir sind nach Neuengeseke gefahren, um uns mit dem geschichtlichen Neuengeseke zu beschäftigen, mit dem Dorf, das die „charaktervollste Landkirche“ der Börde besitzt, eine ausführliche und interessante Schulchronik hat und auch sonst noch mancherlei Wissenswertes für den Heimatfreund zu erzählen vermag. Ein kühler, sonniger Tag machte die Wanderung durchs Dorf, mit gelegentlicher Einkehr und Plauderei in diesem und jenem Hof, zur Freude.
    Neuengeseke, mundartl. Niggen Jaisken, erinnert an Geismar und Geisa; Niengescen 1280 (Vorwerk I), Niggengeiseke (1670); Haufendorf; 7 km südöstl. Soest; wir schließen zur Namensdeutung die (vorgerm.) Urform an: zum Wasserwort ges, geis, auch das quellreiche Geseke am Hellweg und Geis(e)ke bei Hörde/Ruhr, Geisig/Rhld., Bachnamen und Wasserwörter der Vorzeit.
     Zur Kirchengemeinde St. Johannis des Täufers gehören die Orte Neuengeseke, Herringsen, Enkesen im Klei, Beusingsen und der größere Teil von Opmünden, aus dem ehemals kölnischen Gebiet die Evangelischen von Altengeseke und Mellrich.
    Die Soester kauften um 1278 vom Arnsberger Grafen die Vogtei und handelten sich dadurch Differenzen mit dem Kölner Erzbischof Siegfried von Westerburg ein, der darauf hin das 1281 zur Vogtei gehörende „stille Ding“ von Soest nach Neuengeseke verlegte. Mit den weltlichen Patronen, den Herren von Erwitte, haben die Neuengeseker im alllgemeinen keine guten Erfahrungen gemacht. Das Patronat der Familie von Erwitte über die Neuengeseker Kirche scheint wohl mit dem Tod des Werdener Abtes Ferdinand Ernst von Erwitte († 1706) erloschen zu sein; ältester Bauteil der Kirche ist der Turm aus dem 13. Jahrhundert.

    Zur Gruppe Weslarn-Lohne gehört als dritter Bau die Kirche St. Johannes des Täufers von Neuengeseke, deren ursprünglicher Charakter als Wehranlage auf erhöhtem, ummauerten Platz bis heute spürbar ist. Noch 1610 erhielt die Kirche auf Veranlassung des Rates der Stadt Soest eine Anzahl Schießscharten, die heute vermauert sind. Der starke, glattwandige Turm aus dem 12. Jahrhundert, Langhaus und Chor entstanden kurz nach 1200. Der Chorschluß erscheint nach außen polygonal, im Innern aber ist er rund, und außen umzieht ihn ein Bogenfries. Die quadratischen Pfeiler haben an drei Seiten Halbsäulenvorlagen für die spitzbogigen Gurte, Würfelkapitelle mit phantastischen Tiergebilden und Linienverschnürungen. Der Taufstein ist von 1691, Haupt- und Nebenaltar von 1661, und die Kanzel, ein Werk des Soester Tischlermeisters Martin Müller, ist von 1712. Auf dem Schalldeckel sind die Tugendallegorien Gerechtigkeit, Stärke, Friede, Güte, Fleiß und Fürsicht dargestellt.

   Im Kirchspiel Neuengeseke waren u. a. die Vikarien des St.-Patrokli-Kapitels, des St.-Walburgis-Klosters in Soest sowie die Familien von Landsberg und von Ketteler begütert. Während der Soester Fehde und während des 30jährigen Krieges wurde der Ort mehrmals zerstört und ausgeplündert.
    Die Ortschaft Neuengeseke ist eine noch recht stark landwirtschaftlich geprägte Siedlung im südlichen Bereich des Gemeindegebietes. Typisch ist die Gliederung des Ortes in Ober- und Unterdorf sowie die sichtbare Verbindung beider Bereiche durch den Haienpoth, einem Bachlauf zum Ort in der „Neuengeseker Heide“, südlich des Ortskerns gelegen.

Wohnbevölkerung:
  1939  482
  1946  502
  1961  526
  1970  622
  1981  602
  1986  567

Der historische Katasterplan zeigt deutlich die heute noch ablesbare Grundstruktur. Das Oberdorf mit der Kirche und die Höfe im Unterdorf sind klar erkennbar. Generell kann das Straßen- und Wegesystem als geschichtlich geprägt eingestuft werden. Im Oberdorf sind die Dorfstraße, die Schluppergasse und die Enkeser Straße klar zu erkennen. Auch die verbindende Landstraße war schon vorhanden.
    Neuengeseke ist noch überwiegend geprägt von ländlich-dörflichen Strukturen. In den Bereichen des alten Kerns trägt dazu wesentlich die intakte Verbindung zu dorfprägenden Grünelementen, beispielsweise Obstwiesen, bei. Von Süden gesehen präsentiert sich der Ort mit unverwechselbarer Silhouette, die durch den Kirchturm beherrscht wird und Gebäude mit annähernd gleichen Dachneigungen und Großgrün aufweist.

    Wertvolle Gebäude sind in unterschiedlichem Maß im ganzen Ort zu finden. Typisch sind für Neuengeseke Gebäude aus Bruchstein, der in der Nähe des Ortes gefunden wurde. Zum charakteristischen Bild der Gebäude gehört als Ergänzung die Einfassung durch hohe Bruchsteinmauern.
    Eingetragene Baudenkmale: Evangelische Pfarrkirche St. Johannis des Täufers, Hofanlage Schluppergasse 15, Teilstück einer Landwehr im Süden Bad Sassendorfs bei Beusingsen / Hackeloh.
    Charakteristisch für das Erscheinungsbild der Straßen in Neuengeseke ist die räumliche Begrenzung durch Bruchsteinmauern. Als dörflicher Straßenraum fälllt die Schluppergasse auf, die durch ihren Querschnitt und die anliegende Bebauung (Pfarrhaus) geprägt wird. Große private Freiflächen bestehen auf den landwirtschaftlichen Hofstellen. Die Flächen sind teilweise lobenswert durch Einzelbäume und Grünflächen gegliedert.Trotz relativ günstiger Standortvoraussetzungen und Entwicklungsmögklichkeiten ist es in Neuengeseke zu einem starken Rückgang der Landwirtschaft gekommen. Die Zahl der Betriebe sank; 1960 gab es noch 38 Betriebe. Die Hektarzahl 529 sank bis 1988 auf 350. Die Landwirte konnten nicht ungehindert vom Strukturwandel profitieren. Leider zeichnet sich für die weitere Entwicklung der Landwirtschaft in Neuengeseke kein günstiges Bild ab. Das Wohngebiet Ahrensweg/Steinweg ist zu dicht an die landwirtschaftlichen Betriebe gefügt.

    Als Kirchspielort besitzt Neuengeseke Infrastruktur-Einrichtungen wie Friedhof, Kindergarten, Schützenhalle, Sportlerheim, Gaststätten und andere gewerbliche Einrichtungen. Wertvoll sind ein Buchen-Altholzbestand südlich von Neuengeseke, ein Buchen-Eichen-Lindenwäldchen am nordwestlichen Ortsrand. Nördlich ist die Prägung überwiegend dörflich, während im südlichen Bereich schon neue Wohngebiete entstanden sind.
    Markante Bäume sind inNeuengeseke Eiche, Linde, Esche, Ahorn und Kastanie. Bemerkenswert sind Eichenhaine an einigen Höfen; Obstbaumbestände durhziehen den Ort mosaikförmig.

 




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