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Bad Sassendorf

Lohne

Mit Kamera und Bleistift durch das malerische Lohne · Kirche, Höfe, Burgen und Vogtei

Seit alters her nennt man Lohne „das reiche“ und rühmt es als eines der wohlhabendsten Dörfer der ganzen Börde. In mittelalterlichen Urkunden hieß es Lon oder Loyn und war der Stammsitz der Ministerialfamilie von Lon, deren Burg entweder an der Ahse in der Wiese nördlich des Schulzenhofes oder nach anderen Überlieferungen im Dorf am sogenannten Schievelbein gelegen hat. Der Stadt Soest gehören 1583 nicht weniger als 36 Höfe und Kotten. Manches läßt sich noch erzählen von Kriegsdrangsalen, zur Religions- und Reformationsgeschichte, über die alten Mühlen, Häuser und Geschlechter.
    Lohne, östl. Soest, mundartlich Läone, Lon 1287 (WUB 7), Loyn 1313 (SUB 2), Name hängt zusammen mit loh = Wald, Gehölz?, wohl eher zu lon = Sumpf, Morast, Sumpfgehölz, dafür spricht die wasserreiche, tiefe Lage der Ansiedlung! Haufendorf am alten Hellweg und die alte Einzelsiedlung Löerbrockshof nördlich des Ortes; Löerbrock, -brauk, -bruch oder löer wie Lorich, Lörick, Lörchingen, Lörrach zu lor, lar = Sumpf, Sumpfbruch, bezeichnen die Lage an der Ahseniederung; zu Lohne gehört die Bauerschaft Gabrechten.

Gabrechten:
mundartlich Gabrächten, chabrechtn; Einzelhöfe; Gabrechten wie Gaverbeck, heute Garbeck, ist eingedeutschter prähist. Bachname, siehe auch Gabreta, der alte Name des Böhmerwaldes, mithin kann gab-r, gab, gabreta nur Sumpf oder Moder meinen; Gabrechten gehört zur Gemeinde Bad Sassendorf, kirchlich nach Lohne.

    Nun weiter mit der Lohner Geschichte: Lohne war seit alters Hauptort der Soester Börde, Sitz des Vogtes der Oberbörde, der im Namen des Soester Rates die Polizeibefugnisse in diesem Gebiet auszuführen hatte. Im Dorf der Lohner Teich, dem die Ahse entströmt. Zur Kirchengemeinde St. Pantaleon in Lohne gehört auch die Bauerschaft Gabrechten, der Löerbrockshof und die östlich angrenzende Diaspora mit Schallern, Horn, Seringhausen. Lohne war vom 12. bis 14. Jahrhundert Sitz eines Ministerialengeschlechts; wahrscheinlich zwei ehemalige Burganlagen; Kirche aus dem 13. Jahrhundert, der Turm wohl älter. Hier, wie in vielen anderen Sassendorfer Ortsteilen, sehenswerte Fachwerkhäuser und Hofanlagen, alter Lehmbackofen.
    Verwandtschaftsmerkmale mit der Weslarner Kirche entdeckt man
an der Lohner Kirche St. Pantaleon. Am Turm (12. Jh.) sind auch hier Blendarkaden angebracht. Das Hallenlanghaus (2. Viertel 13. Jh.) stellt sich im Hohnekirchen-Schema vor auf zentralisierendem, unregelmäßig quadratischem Grundriß. Der Chor erscheint nach außen als platt geschlossen, innen aber ist in die Ostmauer eine Apsisnische eingelassen. Eingemauert ist eine Steinplatte mit zwei eingeritzten Gestalten im Disput unter einem Spitzbogen (14. Jh.). Das Ostfenster mit dem Stammbaum Christi ist eine Kopie, Original aus dem 13. Jh. Im Mauerwerk der Lohner Kirche das sog. Hungerloch (westl.), wohl zur Speisung Aussätziger, die nur durch eine kleine Luke am Gottesdienst teilnehmen durften, um eine Ansteckung der anderen Kirchenbesucher zu vermeiden. - Bekannt ist auch die Lohner Brautkrone aus dem 17. Jh., rote Seide mit reichem Silberfiligran; immer noch sehenswert ist der Friedhof um die Kirche mit klassizistischen Grabdenkmälern.
    Die städtischen Besitzungen, zu denen auch ein Steinbruch und eine Walkmühle an der Ahse gehörten, standen unter Aufsicht des im Dorf ansässigen Vogtes. Im 12. Jh. waren in Lohne außer Soest auch die Klöster Benninghausen, St. Walburgis (Soest) und Paradiese sowie die Kirchen in Lohne, Neuengeseke und Ostinghausen begütert.
    Der Katasterplan aus dem Jahre 1827 belegt in eindrucksvoller Weise die historische Grundstruktur des Ortes. Ausgehend von der ablesbaren Hellwegtrasse, die sich in ihren Grundzügen im heutigen Verlauf der Lohner Dorfstraße (Hellweg) widerspiegelt, sind die evangelische Pfarrkirche St. Pantaleon und die umgebenden typischen Baustrukturen erkennbar.
  
  Wohnbevölkerung:
  1939    778
  1946   802
  1961  1124
  1970  1147
  1981  1154
  1986  1280      Tendenz steigend


Bezogen auf das dörfliche Straßensystem sind neben dem Hellweg die Teichstraße in ihrem heutigen Verlauf bis zur Mühle, die Sauerstraße (richtig: Suge-/Saustraße), die Kittelhaken- und die Wegenerstraße in den Grundzügen ihrer heutigen Trassierung zu erkennen.
    Der alte Ortskern Lohnes ist auch heute noch sichtbar. Neuere Wohngebiete sind zunächst im Nordosten, Richtung Schallern, später im großen Maßstab westlich des Ortes, Richtung Bad Sassendorf entstanden; seit kurzem gibt es ein weiteres Neubaugebiet vor dem Lohner Friedhof (östliche Richtung). Durch die Bebauung ist eine Trennung der beiden Orte kaum noch wahrnehmbar. Ortsbildprägende Bausubstanz liegt verstreut im Ort. Dabei ist entlang des Hellwegs neben der Kirche die Hofanlage Große-Brauckmann (früher Besse) mit erhaltenen Nebengebäuden denkmalwert. Im Bereich der Teichstraße ist erhaltenswert die ehemalige Wassermühle Frerk mit Nebengebäuden. Die historische Hofanlage „Unter den Bäumen“, ehemals Brinkmann, wurde restauriert.
    Eingetragene Baudenkmale (D
enkmalschutz): Hofanlage „Unter den Bäumen“, Fachwerkhaus mit Speicher, Teichstraße 8, Ev. Kirche, Teichstraße 1, Fachwerkhaus Hellweg 47, Fachwerkhaus Bundesstraße 24, Fachwerkhaus „In der Lander“ 33, Wassermühle Teichstraße 17, Bauernhofanlage Hellweg 38, Fachwerkhaus„In der Lander“ 30, Hellwegtrasse (alter Hohlweg) und Urnenfriedhof auf der „Opmünder Höhe“ als Bodendenkmal in Lohne.

    Als Hauptstraße des Ortes gilt heute der Hellweg; bis vor etwa 20 Jahren war diese Straße an beiden Seiten alleeartig mit Linden bestanden. Die Straßen im alten Kern sind markant gefaßt von hohen Bruchsteinmauern. Im Westen des Ortes stellt der Neue Weg die Hauptverkehrsachse dar, durch Breite und Geradlinigkeit werden überhöhte Geschwindigkeiten gefahren.
    Charakteristisch, das Ortsbild unverwechselbar prägend, ist der öffentlich nicht zugängliche Freibereich der Ahsequelle mit Teich. Die Anlage besitzt seltene, ökologische Qualitäten.
   Der Ort Lohne war in den letzten dreißig Jahren einem starken Wandel unterworfen. 1960 gab es in Lohne noch 47 landwirtschaftliche Betriebe, 1988 waren es noch 17. Schuld an diesem gewaltigen Rückgang war der Flugplatzbau, der Autobahnbau und Siedlungserweiterungen. Diese Entwicklung ist nicht ohne Auswirkungen auf die verbleibenden Betriebe geblieben. Aus der Tradition Lohnes als Amtsgemeinde und Kirchspielort sind öffentliche Einrichtungen wie Kirche, Kindergarten und Friedhof vorhanden. Früher war Lohne auch Schulort.
    Ortsprägend in Lohne sind die Bruchsteinmauern und der Baumbestand aus Linde, Eiche, Kastanie, Esche, Buche und Trauerweide. Im westlichen Ortsbereich fließt die Schledde, ein kleiner, überwiegend begradigter Bach, der am nördlichen Rand des Dorfes in die Ahse mündet. Der Friedhof am Rande des Dorfes zeigt prächtigen Lindenbestand.
    Zum Ortsteil Lohne gehört (wie schon erwähnt) die landwirtschaftliche Siedlung Gabrechten, die durch teilweise erhaltenswerte Bausubstanz (ehemaliger Hof Kruse) und schöne Grünelemente in die Landschaft eingefügt ist. Seit einiger Zeit wurde in einem Gebäude auf dem Hof Kruse ein Café eingerichtet.


Tips:

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